Gidio

Leichenwagen am GidioEs kann ja nicht Zweck dieser Seite sein, über die Ursprünge dieses Brauches auskunft zu geben. Wer mehr über den Gidio in Herisau oder Waldstatt wissen möchte, kann sich in der wissenschaftlichen Arbeit von Kantonsbibliothekar Johannes Schläpfer in Trogen bestens informieren. Vielmehr sollen an dieser Stelle einige Eindrücke über den heutigen Gidio in Waldstatt dargelegt werden. In den letzten Jahren nahm das fasnächtliche Treiben in unserem Dorf ein beachtliches Ausmass an. Mit einem gross angelegten Maskenball, der alljährlich vom Turnverein organisiert wird und mit dem Vorhandensein einer «gemeindeeigenen Guggemusig» sie nennt sich «Mehrzweckblaari» sind schon zwei wichtige fasnächtliche Akzente gesetzt.

Monolith am GidioAm Aschermittwoch formiert sich in unserem Dorf ein beachtlicher Trauerzug, der dem verstorbenen Gidio das letzte Geleit geben will. Eigentlich geht es aber nur ganz am Rande um einen Trauerzug, vielmehr will man mit den verschiedenen Gidiowagen allerlei Amüsantes aus dem Dorfleben oder aber aus dem Geschehen in der weiten Welt zum besten geben. Etliche Gewerbetreibende unterstützen diesen Umzug, indem sie den Polizisten allerlei Esswaren zum Verteilen an die Trauergesellschaft schenken. Höhepunkt jedes Gidioumzuges ist aber die vom Gidiopfarrer verlesene «Gidio-Predigt». In leicht verdeckter Sprache und doch so, dass jedermann weiss, worum es geht, werden Reminiszenzen aus dem Dorfleben aufgelistet. Schliesslich wird auch die gesamte Lehrerschaft in einer drolligen Art «qualifiziert».

Pippi Langstrumpf am GidioAm Funkensonntag – am Sonntag nach Aschermittwoch – wird der Gidio verbrannt. Es ist kein spektakulärer Anlass, keine Reiter der Zünfte galoppieren um das Feuer und keine Trompetenfanfaren schmettern durch das Dunkel der Winternacht. Aber die Verantwortlichen wollen es so. Seit Jahren wird durch die Jungmannschaft der Unterwaldstatt und der näheren Umgebung mit viel Hingabe Material für den Funkensonntag zusammengetragen. Mit landwirtschaftlichen Transportfahrzeugen wird aus dem Wald allerhand brennbares Geäst zusammengeführt. Die Tatsache, dass schon die frühere Generation mithalf, den Unterwaldstätter-Funken zu ermöglichen, bestärkt den Eifer der jetzigen Kindergeneration. Vor allem die Familien Mock und Schläpfer haben grosse Verdienste um das Zustandekommen dieses Feuers, mit dem gezeigt werden soll, dass der Winter bald vorbei sein dürfte.

Hans Eugster-Kündig

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